Lehrer lachen über sich

Pädagogischer Aschermittwoch am Stein-Gymnasium / „die daktiker“: Neues Programm

Fast kein Auge trocken blieb am Mittwochabend in der Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums. Vor über 200 Gästen präsentierte Deutschlands dienstältestes Lehrerkabarett „die daktiker“ sein aktuelles Programm „Evaluator 4“.

„Nicht-Pädagogen haben jetzt noch die Gelegenheit, den Raum zu verlassen“, so ertönte es vor Beginn der Vorstellung. Alle Gäste blieben aber sitzen  und haben es nicht bereut. Zum Programm: Das fiktive Traditionsgymnasium Adolphinum stand Kopf: Schwarz gekleidete Evaluatoren waren im Haus, um die Qualität der Lehrkräfte zu bewerten. Jeder kriegte eine Note für Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz, die sichtbar an einem Anstecker zu tragen war. Der Bewertungsmarathon blieb nicht ohne Folgen und führte unter den konkurrierenden Pädagogen fast zum Kahlschlag, statt zur Kuschel-Pädagogik.

Studienrätin Lengowski (Brigitte Lämbgen) gab stets ihr Bestes. So versuchte sie, ihren Schülern nicht nur im Kunstunterricht unter die Arme zu greifen, sondern in Biologie auch die „ökonomische Brisanz der Leuchtqualle“ zu vermitteln. „Frau´n als Reformer sind der Ruin, da willst du als Lehrer nur noch rennen und flieh´n“, so lautete der Refrain des darauf folgenden Liedes, bei dem die Schulministerin einen parodistischen Seitenhieb erhielt.

Alle Regeln der Pädagogik wurden über Bord geworfen, als sich die Lehrer nach der Dienstbesprechung privat beim Kollegen Volker trafen und den Rocktitel „Born to be wild“ sangen. „Da war so ein dichtes Gefühl in der Gruppe“, schwärmte Volker und für einen Moment waren alle Lehrer „happy“. Andreas Boxhammer, der den kommissarischen Schulleiter Laß spielte, Hans-Peter Königs als knorriger Altphilologe Krick und Hermann-Josef Skutnik als Pädagoge Müller-Liebenstreit zeigten fast zwei Stunden lang ihr komödiantisches Talent und boten eine abwechslungsreiche Mischung aus Sketchen und flotten Musiktiteln.

Obendrein gab es einen kleinen Einblick in die Entwicklung des deutschen Bildungswesens, das derzeit geprägt ist durch viele Herausforderungen, etwa das neue Schulgesetz oder das Thema Qualitätssicherung. Vor der Aufführung gab es einen „pädagogischen Aschermittwoch“ mit außerordentlicher Schulkonferenz im Stile einer Parlamentsdebatte. „Es war sehr interessant und spannend“, so Schulleiter Dr. Jürgen Czischke.

Ruhrnachrichten Freitag, 30. März 2007

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